did Frankfurt „Wir haben immer viel Spaß mit den Schülern. Sie können in unserer Familie in den Alltag einer ganz anderen Kultur eintauchen. Wir bieten den Schülern auch eine gewisse Sicherheit und in der familiären Atmosphäre können dann auch verschiedenste Probleme leicht gelöst werden“

Ilona und Andreas Lesiok, Gasteltern
Die Familie Lesiok aus Offenbach blickt auf eine lange Zeit als Gastfamilie zurück. Über 100 Sprachschüler in über 13 Jahren haben sie in ihrem Haus und in ihrer Familie herzlich aufgenommen. Vom Wurstmachen bei den Großeltern bis zur Besichtigung des höchsten Berges Baden Württembergs, dem Feldberg, wird den Gastschülern einiges geboten – und das aus Leidenschaft!

Seit wann sind Sie als Gastfamilie für did deutsch-institut tätig?
Für did deutsch-institut sind wir seit 2 Jahren tätig..

Was war Ihre Motivation, einen ausländischen Gastschüler bei sich aufzunehmen?
Unsere Tochter war zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre und war begeistert von der Idee einen Sprachschüler aufzunehmen. Sie war Einzelkind und lernte Französisch und Englisch in der Schule. Über den Sprachschüler durfte sie auch etwas anderes erleben und kennenlernen. Sie hat gemeinsame Aktivitäten mit dem Schüler unternommen und zudem noch ihre Englisch- und Französischkenntnisse verbessert.

Wann haben Sie zuletzt Gastschüler in Ihrem Zuhause begrüßt?
Das letzte Mal im Mai 2010.

Aus welchen Ländern kamen ihre Gastschüler bisher?
Aus den USA, Japan, Russland, Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Polen, Brasilien, Venezuela, der Türkei, Littauen, Lettland, Slowenien, Tschechien, der Schweiz, Belgien, England, Hong Kong, Irland, Sizilien, Griechenland, Argentinien, Kanada, Taiwan, Mallorca und Mexiko.

Wie viele Wochen haben die Gastschüler gewöhnlich bei Ihnen gewohnt?
Die meisten Schüler waren ca. 4 Wochen bei uns, einige von ihnen 3 Monate und 5 davon waren 8 Monate bei uns. Ein Mädel aus Italien kam fünf mal immer wieder zu uns, ein Franzose und ein Junge aus Sizilien zweimal.

Welches Alter hatten Ihre Gastschüler?
Von 16 bis 35 Jahren.

Wie erleichtern Sie Ihren Gastschülern den Start in Deutschland?
Indem wir bei allen Problemen behilflich sind, viel sprechen und die jungen Leute auch verstehen, falls sie sich mit irgendeiner Sache nicht ganz wohl fühlen. Wir sprechen über alles und versuchen immer zu helfen.

Wie bringen Sie Ihren Gastschülern die deutsche Kultur näher?
Indem wir an Wochenenden bestimmte Plätze besuchen, z.B. Rüdesheim am Rhein, das Aschaffenburg Schloss oder die Großeltern, die in einem kleinen Dorf wohnen und Metzger sind, da gibt es viel zu lachen und die Schüler sind erstaunt, wie man heute noch Wurst, Marmelade und vieles mehr selber herstellen kann.

Unternehmen Sie Aktivitäten gemeinsam mit Ihren Gastschülern?
Wir haben immer etwas auf unserem Programm; gehen mit den Schülern auch mal in ein Kroatisches Restaurant. Der Spaß ist groß, wenn die Balkanplatte auf dem Tisch steht. Es gibt immer etwas mit den jungen Leuten zu unternehmen, weil ja die meisten Dinge neu für sie sind. Hinter unserem Haus befindet sich ein Pferdegestüt, von dem vor allem japanische Gäste sehr beeindruckt sind, da sie die Pferde auch füttern dürfen. Wenn man 5 Minuten läuft, befindet sich ein Badesee mit Strand in der Nähe. Die meisten Schüler laufen nach der Schule zum See um dort zu baden und zu entspannen. Fahrräder stellen wir auch zur Verfügung, denn ein Radweg führt direkt am Main entlang bis nach Aschaffenburg. Es ist für jeden etwas dabei, bis jetzt hatten wir noch keine Probleme.

Wie ist der Tagesablauf in Ihrer Familie während des Gastschüleraufenthalts organisiert?
Der Tagesablauf läuft eigentlich ganz normal ab. Die Schüler können ab 7.15 Uhr bis 8.00 Uhr und an Wochenenden auch später gemeinsam mit uns frühstücken. Dann begeben sie sich meistens gegen 8.00 Uhr in die Schule. Je nachdem, wann sie die Schule beenden und nach Hause kommen, können sie ihre Hausaufgaben machen oder Aktivitäten mit Schülern aus der Klasse unternehmen.

Unsere Kinder sind jetzt groß, wir sind schon 13 Jahre Gastfamilie und haben in dieser ganzen Zeit ca. 100 Sprachschülern ein zu Hause gegeben, was für uns und auch für die jungen Leute aus anderen Ländern eine gute Sache ist. Die Wäsche können sie einmal wöchentlich in unserer Waschmaschine waschen und im Garten aufhängen. All diese ganz normalen kleinen Dinge des Lebens können sie gemeinsam mit unserer Familie bewältigen, somit können sie auch beruhigt zur Schule gehen und brauchen sich um nichts kümmern. Wir stehen rund um die Uhr mit Rat und Tat als Ansprechpartner zur Verfügung.

Welche Vorteile hat das Zusammenleben mit Ihrer Familie für die Gastschüler?
Sie können sich auf die Familie verlassen und haben mehrere Ansprechpartner z.B. unsere Tochter oder unseren Sohn. Die Gastschüler sind in einer Familie gut aufgehoben, da wir doch mehr für sie tun können, als wenn sie in einem kleinen Zimmer ganz alleine wohnen.

Was ist Ihnen im Hinblick auf das Verhalten Ihrer Gäste besonders wichtig?
Wenn man einen jungen Menschen aus einem anderen Land bei sich aufnimmt, sollte man in einigen Dingen großzügig sein, sonst gibt es Spannungen. Die meisten Schüler haben andere Gewohnheiten, das dauert dann so ca. eine Woche, bis dann so jeder seinen Rhythmus gefunden hat.

Welche Einstellung sollte ein Sprachschüler mitbringen, der sich für den Aufenthalt in einer Gastfamilie interessiert?
Möglichst ehrlich sein; wenn er ein Problem hat sollte er es ansprechen – das ist besser für den Schüler und für uns. Ansonsten sind die jungen Leute ganz gut erzogen.

Wie trägt das Zusammenleben in einer Gastfamilie zur Persönlichkeitsentwicklung bei?
Sie gewöhnen sich schneller an bestimmte Regeln, weil sie es jeden Tag wieder erfahren und können auch Fragen stellen, warum es so und nicht anders gemacht wird. Das hat schon so einige Sprachschüler ins Grübeln gebracht – die haben so einiges gelernt und können natürlich später von diesen Erfahrungen profitieren.

Welche Möglichkeiten bietet das Zusammenleben mit Gastschülern?
Wir als Gastfamilie erfahren natürlich auch einiges über das Land des Schülers und es ist für uns immer eine Bereicherung zu sehen und zu hören, wie andere Menschen ihren Alltag meistern und was die Sprachschüler so in der Zukunft alles vorhaben.

Welche Erlebnisse mit Gastschülern sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Unser Pablo aus Argentinien möchte gern Anwalt werden und studiert immer noch in Buenos Aires. Er kam gegen 23.00 Uhr nach Hause, hatte aber seinen Schlüssel vergessen. Er wollte uns nicht wecken, es war August. Dann hat er sich vor die Haustür gelegt, seinen Rucksack unterm Kopf verstaut und dort geschlafen. Als Gastvater Andreas aus der Nachtschicht kam, dachte er erst, es hätte sich ein Obdachloser vor unserer Tür gemütlich gemacht, bis er sehr erschrocken unseren Pablo erkannte. Er war 24 Jahre damals und die beiden mussten dann sehr lachen. Er hätte klingeln können, das wäre kein Problem gewesen, aber so ist das. Danach haben wir allen Schülern gesagt, sie können immer klingeln. Sie haben auch unsere Visitenkarten, können anrufen, kein Problem.

Haben Sie zu noch Kontakt zu ehemaligen Gastschülern?
Ja, zu ca. 50 Prozent – meistens über Facebook oder E-Mail.

Ist aus diesen Kontakten eine Freundschaft entstanden?
Ja, einige Freundschaften. Unsere Tochter wurde nach Japan eingeladen und hat dort 4 Wochen verbracht. Unsere japanische Gastschülerin hat uns auch schon privat besucht und wir sind immer noch in Kontakt und jetzt zu ihrer Hochzeit eingeladen. Einige Italienerinnen haben regen Kontakt zu uns, ein russischer Sprachschüler schreibt uns regelmäßig und wir finden auch einige bei Skype wieder, was dann immer sehr lustig ist.

Ihr Fazit:
Einen Sprachschüler zu beherbergen ist immer eine spannende und schöne Sache. Wenn man Menschen mag, andere Kulturen kennt oder kennenlernen möchte ist das genau das Richtige für jeden. Wenn man dann noch gerne redet und Ausflüge anbieten kann, ist es einfach optimal, obwohl das die Schüler meistens gar nicht erwarten.